[ÖH Blog] Buchrezension: Nackt schlafen ist bio: eine Öko-Zynikerin findet ihr grünes Gewissen und die große Liebe

June 28, 2018

 

 

„Nackt schlafen ist bio – eine Öko-Zynikerin findet ihr grünes Gewissen und die große Liebe“ hat mich von der ersten Seite an gefesselt und zum Schmunzeln, Lachen, Grübeln und Nachdenken gebracht. Die Autorin, Bloggerin und Journalistin aus Toronto schildert 365 kleine Schritte um die Welt zu verändern, die sie in Form einer Liste abarbeitet. Ihre (Miss-)Erfolge, Höhen, Tiefen und Erfahrungen teilt sie natürlich mit ihren Lesern.
„Ist Duschen im Dunkeln wirklich sinnvoll, um Strom zu sparen? Wofür entscheidest du dich, wenn im Supermarkt der gespritzte Granny Smith aus der Region neben dem Bioapfel aus Neuseeland liegt? Und welche Shampoo-Experimente aus der Kräuterküche kann man getrost vergessen?“ Dies sind nur einige wenige der Fragen, die Vanessa Farquharsons nach einem Denkanstoß von Al Gore beschäftigen und bevor sie beginnt, sich ein Jahr lang jeden Tag eine ökologische Korrektur in ihrem Leben vorzunehmen. 

 

Schon bevor ich bei der Hälfte des Buches angekommen bin, fertige ich auch für mich eine Liste der Dinge an, die ich in meinem Leben ändern kann, will und werde. Recycling-Klopapier verwenden, ökologisch unbedenkliche Reinigungs- und Putzmittel verwenden, mehr mit dem Rad fahren, bei Lebensmitteln immer die biologische Variante wählen und Naturkosmetik verwenden sind nur wenige meiner insgesamt 56 Punkte, die bald ordentlich untereinander gereiht Platz in einem meiner Notizbücher finden und darauf warten, abgehakt zu werden.
Listen sind schon im Allgemeinen ungemein motivierend; sie führen dir schlicht und einfach vor Augen, wie viel du schon geschafft und/oder erledigt hast (oder eben auch nicht) und wie weit du noch von deinem Ziel entfernt bist. Diese Liste motiviert mich in mehreren Hinsichten: Ich kann mit meinem Konsumverhalten etwas bewegen (ja, auch wenn ich nur ein einzelner Mensch bin!) und dabei für unseren Planeten und auch für mich Gutes tun. Und ich kann eine Liste abarbeiten. 

 

 

Stolz lese ich besagte Aufzählung meinem Freund vor, mit dem ich nun schon seit einem Jahr meine Wohnung und damit auch unausweichlich meinen Wahnsinn teile, und belehre ihn (nur ein bisschen!) in einigen Punkten. Er hört mir gespannt zu und nimmt all meine Verbesserungsvorschläge ohne zu meckern an. Es kann zwar auch sein, dass er mir irgendwann einfach nicht mehr folgen will und darum einfach nichts dazu sagt, aber kein Einwand bedeutet in diesem Fall Zustimmung und so werden auch manche seiner Produkte und Gewohnheiten schnurstracks als optimierungswürdig eingestuft und zumindest schon auf dem Papier durch diverse Alternativen ersetzt. 

 

Zugegeben, einige Dinge, die die sympathische Autorin zumindest laut Buch mutig und souverän meistert (einige davon behält selbst sie nach ihrem Ökojahr nicht bei) sind mir dann doch zu viel des Guten. So werde ich mir zum Beispiel niemals eine Kompostbox aus Holz mit Biomüll und Würmern im Inneren in meine Wohnung stellen (obwohl diese sehr ausgefallene Haustiere wären), ich werde auch in Zukunft nach jedem kleinen Klogang die Spülung tätigen, ich werde als Damenhygieneartikel kein wiederverwendbares Biobaumwolltuch in meine Unterhose stopfen oder meine eigenen Baumwollkittel zu diversen Arztbesuchen mitbringen und ich werde sowohl meinen Herd und meinen Ofen, als auch meinen Kühlschrank weiterhin verwenden. Dafür gehe ich aber umso motivierter an den Rest, den ich ändern möchte, heran und kaufe nach und nach, sobald sich Haushaltsartikel oder Kosmetik- und Körperpflegeprodukte endlich dem Ende zuneigen, ein Ökoprodukt als Ersatz nach. Ich radle, wann immer das Wetter und die Distanz es zulassen, von A nach B, anstatt das Auto zu benutzen. Außerdem habe ich Wasser in Plastikflaschen aus unserem Haushalt verbannt und darum als Motivation zwei entzückende Glasflaschen gekauft, trenne unseren Müll noch genauer als vorher und habe jegliche Kataloge abbestellt, die sonst in regelmäßigen Abständen, genau wie alle möglichen Werbeprospekte und Broschüren, vom Postkasten ohnehin direkt in den Altpapierkorb gewandert sind. Auch Taschentücher, Küchenrolle und Klopapier aus recycelten Rohstoffen kann ich sehr empfehlen; für diverse Körperflüssigkeiten und Patzer braucht man nun wirklich keine Bäume zu fällen (fast jeder zweite industriell gefällte Baum weltweit wird laut WWF zur Herstellung von Papier verwendet!). Putz-, Reinigungs- und Waschmittel säubern (und riechen!) zum Teil um Längen besser als ihre chemischen Brüder und Schwestern, da findet man schnell Lieblingsprodukte, die man nicht mehr gegen konventionelle eintauschen möchte. Schwieriger wird es da schon bei den Körperpflege- und Kosmetikprodukten, aber was wäre das Leben ohne Herausforderungen? Lediglich bei Deodorants bin ich, aus Liebe zu meinen Mitmenschen und auch ein bisschen aus Eitelkeit, noch zu skeptisch, um auf natürliche Alternativen auszuweichen. Und auch für Duftkerzen habe ich leider noch keinen passenden Ausweichartikel gefunden, für den ich bei unserem enormen Verbrauch keine Schulden aufnehmen müsste.

 


Auch mein kleines Bauchspeckröllchen hat leider noch nicht so richtig auf die Umstellung reagiert und ist nach wie vor mein treuer Begleiter, aber ich habe beschlossen, mich selbst so zu lieben wie ich bin und betrachte das Röllchen ab jetzt als externen Speicher für noch mehr Bauchgefühl. Und dass mein Freund sich aufgrund meiner Skepsis jeglichen Produkten gegenüber auch sein Duschgel nicht mehr selber kauft, sondern das lieber mir überlässt und statt konventionellen Taschentüchern auch im Notfall lieber gar keine Taschentücher mehr im Haus hat, nehme ich für mich persönlich als Kollateralschaden (und kleinen Liebesbeweis) gerne in Kauf, da es für unsere Umwelt zwar nur ganz kleine, aber immerhin Schritte in die richtige Richtung sind.
Und Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist.

 

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