[ÖH Blog] Science-Slam, der Poetry-Slam für die Geeks unter uns

June 13, 2018

 

Fotos von Philipp Greindl

 

 

Bereits Ende 2006 wurde die Idee zum Science-Slam in der deutschen Stadt Darmstadt geboren und seit 2010 findet dieser auch in Österreich regelmäßig statt. Bei diesen Veranstaltungen geht es – genau wie bei seinem großen Bruder, dem „Poetry-Slam“ – darum, das Publikum in kurzer Zeit und ohne technische Hilfsmittel wie Beamer oder PowerPoint-Präsentation für sich und das vorgestellte Thema zu gewinnen. Die Kurzvortragsturniere unterscheiden sich natürlich in der Art der präsentierten Werke: Während beim Poetry-Slam selbstgeschriebene literarische Arbeiten überzeugen sollen, geht es beim Science-Slam darum, als (Nachwuchs-)WissenschaftlerIn das eigenes Forschungsthema möglichst interessant, spannend, verständlich und natürlich auch unterhaltsam vorzustellen. Im Vordergrund steht also die populärwissenschaftliche Vermittlung von aktuellen Forschungsthemen, wobei auch die Lachmuskeln des Publikums nicht verschont werden. Dabei wird auf PowerPoint-Präsentationen bewusst verzichtet, alle anderen Hilfsmittel sind aber erlaubt und werden sogar sehr empfohlen: Anschauungsobjekte, Live-Demonstrationen oder Publikumsexperimente helfen, bis zum Voting im Gedächtnis der Zuschauer zu bleiben. Nach sechs Minuten wird leise Musik eingespielt, die immer lauter wird und so die Slammer ans Ende ihres Vortrags erinnert.

Am Ende der Vortragsreihen entscheidet – genau wie beim Poetry-Slam – das Publikum über den Gewinner oder die Gewinnerin.

 

 

 

Am 20.03 dieses Jahres war es auch in unserer schönen Landeshauptstadt Linz zum vierten Mal wieder soweit: Fünf Slammer brachten im Posthof im Linzer Hafenviertel ihre interessanten Forschungsthemen in je sechs Minuten pointiert, verständlich und beamerlos auf die Bühne. In gemütlicher Lokal-Atmosphäre, mit möglichst griffigen Hilfsmitteln und einer ordentlichen Portion Humor wurde dem Publikum spannende und aktuelle Themen näher gebracht.

Unter anderem wurde erklärt und anhand kurzer Experimente gezeigt, was es mit Gravitationswellen denn nun genau auf sich hat („Ohren für das Universum“, Kassandra Moosbrugger, Physik), warum Bilder aus dem Weltall verzerrt werden und wie man das mit Hilfe von mathematisch optimierten Teleskopen verhindern kann ("Hausrat im Weltall – wie man Licht verbiegt, um die Außerirdischen zu finden", Günter Auzinger, Mathematik), wie man Vereinsmeierei digitalisieren und so Lebenserfahrung und bestenfalls auch ECTS-Punkte fürs Studium und Geld sammeln kann („Das Vereinsmeiertool für Vereinsmeier vom Vereinsmeier Maier", Mathias Maier, Medientechnik und –design), wie es denn um das Sozialverhalten von Software-Entwicklern steht und wie man sie arbeitstechnisch besser verkuppeln kann („Kooperationsverhalten unter Software-Entwicklern oder die Frage: Wer mit Wem?", Angelika Schmid, Statistik) und last but not least wie Raubkopien definiert sind, ob man beim Raubkopieren seinen Laptop ängstigen muss und was das Ganze mit Drogen gemeinsam hat („Was haben Drogen und Raubkopien gemeinsam?“, Michael Lanzinger, Straf- und IT-Recht).

 

 

 

Der Initiator und Moderator der Science-Slams in ganz Österreich, Bernhard Weingartner, ist Physiker an der TU Wien und der UAK Wien und lehrt dort Wissenschaftskommunikation, coacht Lehrende an Universitäten, Schulen und im Bereich der aufsuchenden Jugendarbeit, schreibt populärwissenschaftliche Bücher, hält regelmäßig Vorträge zu aktuellen naturwissenschaftlichen Themen und leitet das Projekt physikmobil.at zur Nachwuchsförderung im öffentlichen Raum.

Im Posthof Linz mussten wir heuer krankheitsbedingt leider auf Bernhard Weingartners Moderation verzichten. Stattdessen half ihm kurzfristig die sympathische Physikerin Martyna Grydlik aus, die 2016 den Linzer Science-Slam und schließlich auch das Österreich-Finale gewonnen hatte. Mit ihrem Vortrag („…und dann war Licht“) über Laser aus Silizium und Germanium, die die Basis für eine Revolution in winzigen Computerchips sein könnten, hat sie sich vor zwei Jahren mit viel Hirn und noch mehr Humor ins Herz des Publikums „geslamt“. So war es natürlich wenig überraschend, dass Martyna Grydlik, die übrigens auch angehende Slammer coacht und ihnen nützliche Tipps und Tricks verrät, die Moderation dieses Jahr in Linz sehr gut und lustig gestaltet hat.

 

 

 

Am Ende des Slams wurde, wie jedes Jahr, der Gewinner/die Gewinnerin des Slams durch Abstimmung vom Publikum gewählt. Kriterien sind unter anderem die Themenwahl an sich, die Art der Präsentation, Verständlichkeit und auch die Kreativität der Vortragenden Slammer.

Über einen 400€-Reisegutschein und das Ticket zum Österreich-Finale, welches im April in der Hauptstadt Wien stattfinden wird, freut sich der Mathematiker Günter Auzinger, der sonst an der JKU Linz tätig ist. Sein Thema "Hausrat im Weltall – wie man Licht verbiegt,
um die Außerirdischen zu finden"
und seine authentische und humorvolle Art dieses zu präsentieren haben die Zuseher zweifelsohne überzeugt und ihm zum Sieg verholfen. Wir drücken die Daumen fürs Finale!

 

 

 

Mitmachen kann übrigens jeder – alle Studienrichtungen, alle Fachgebiete! Egal ob Nanotechnologin oder Kinderpsychologe, Arabist oder Pflanzenphysiologin, Radiochemikerin oder Friedensforscher, Seminar- oder Bachelorarbeit, Dissertation oder Post-Doc-Projekt, Grundlagen oder angewandte Forschung. Heuer wurde beispielsweise in Linz eine sehr spannende und beeindruckende vorwissenschaftliche Arbeit einer Gymnasiastin zum Thema Gravitation präsentiert! Der Kreativität und der Wissensvermittlung sind also tatsächlich keine Grenzen gesetzt – es geht einzig und alleine darum, über die eigene Arbeit zu sprechen, das Publikum damit zu beeindrucken und auch zu unterhalten und auf diesem Wege vom eigenen Thema und den eigenen Performer-Qualitäten zu überzeugen.

 

 

 

 

P.S.: Falls ihr gerne eure Lieblingsprofessorin oder euren Lieblingsprofessor beim nächsten Science-Slam auf der Bühne sehen und anfeuern wollt, besteht auch die Möglichkeit, diese am Ende des Slams dafür zu nominieren!

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