[ÖH Blog] Das Hagenberger FKF

May 17, 2018

 

An manchen Donnerstagen, wenn Fortuna es gut meint mit uns Studierenden, steppt im Pub Loungerie der Bär. Ein FKF steht an. Das F steht für Alkohol.
Jeder, der sich als Fakultätsstandort das heimelige Kaff Hagenberg (Fun Fact: Es handelt sich hierbei um keinen richtigen Berg) ausgesucht hat, kennt es. Da sich im Hagenberger Nachtleben ohnehin nicht viel abspielt, und mit nicht viel meine ich gar nichts, ist es ein Pflichttermin für hiesige angehende Akademiker. Da knicken sogar alt eingesessene Café-Monika-Fans ein und schauen auf ein Seiterl vorbei. 

 

Der Ort des Geschehens | Foto: Loungerie

 

Was passiert am FKF?

Das Alkohol-Keller-Fest ist gewissermaßen ein Spiegelbild des verrückten, nerdigen, jedoch liebenswerten Charmes, den die Fachhochschule in Hagenberg versprüht.
Die Crowd beim Rap-Battle-FKF bereitet lautstarke Ovationen für sensitive Rhymes wie „Steve Jobs“ auf „Blowjobs“. Zum Zungenschnalzen.
Ein Typ konsumiert beim Bad-Taste-FKF aufgrund des Mottos einen Naturradler und fühlt sich wie der lustigste Mensch der Welt. Zurecht.
Ein anderer Typ trägt ein Shirt mit dem Schriftzug „Helvetica“. Abgedruckt in Comic Sans MS.
Zum Totlachen.
Typen grölen Sprechchöre „M C M C M C“ (Wahrscheinlich Studierende von Mobile Computing). Zänkisch.
Typen aus KWM kommunizieren medial über „Wissen“. Lediglich zum Belächeln.
Ein augenscheinlich von der Muse geküsster Jahrhundertkomiker trägt beim Halloween-FKF ein mit vier Löchern versehenes Bettlaken über dem Kopf. Zwei Löcher sind bei den Augen, ein kleines ist beim Mund zum Trinken und ein großes Viertes befindet sich…
Ach egal – etwas steifer Humor, trotzdem lustiger Typ.
Daueralkoholisierte MTDler zetteln zuerst eine Limbo-Challenge und dann ein Dance-Battle an.
Dabei sind sie in beiden gewählten Disziplinen die laienhaftesten dort. Eine abschließende Polonaise wird missbraucht, um Selbstvertrauen wiederaufzubauen - da kann man auch nichts falsch machen. Nicht einmal MTDler.
Zwei Typen streiten, ob beim kollaborativen Projekt in Java oder C++ programmiert werden sollte, und drohen sich deswegen gegenseitig aus dem League of Legends Ranked Team zu löschen. Suizidgedankenfördernd.

Das Wort Typ kommt hier oft vor, weil die Anzahl an Mädels eher überschaubar ist. Über den Daumen gerechnet ein Verhältnis von 70:30. Wenn sich eine Studentin dorthin verirrt, dauert es nicht lange, bis in ihrem Schatten ein alkoholgeschwängerter Typ steht, der sein Glück versucht. Man munkelt, dass sich für jeden Korb, der dort kassiert wird, irgendwo eine Studentenheimputzfrau ins Fäustchen lächelt, weil ihr eine peinliche Begegnung am nächsten Morgen erspart bleibt.

Manchmal muss Mann seinen Harndrang verringern. Er geht in den Raucherbereich hinaus. Ignoriert wenig überrascht die süßlichen Gerüche und schreitet mit wachem Sinne die Treppe zur Toilette hinunter. (Gemeint ist die Grünfläche unter der FH, da die Pissoire während den FKFs nur in Notfällen oder aus Versehen genutzt werden.)
Dort wird er Gast eines östrogengetränkten Dramas. Hier ist nämlich der Ort, wo gerne WhatsApp Nachrichten an den eifersüchtigen Freund geschrieben werden, Deep Real Talk geführt oder einfach mal kräftig auf die Tränendrüse gedrückt wird. Das Spektrum der Gründe dafür reicht von zynisch getexteten ÖH-Blog-Artikeln - die zu ernst genommen werden - über das Ende von Greys Anatomy, bis zu „Mein Nintendog ist krank!“.

 

Provisorischer Timetable

Um 18 Uhr kommen die Kellner und Abgesandte des veranstaltenden Studiengangs. Sonst keiner. Glaube ich zumindest. Ich war noch nie dort. Wieso auch?! Das wäre, wie wenn man um 9 Uhr morgens, ohne jemals auf Skiern gestanden zu sein, zum Après-Ski gehen würde.

Um 20 Uhr kommen Leute, die keine Location zum Vorglühen finden, Leute die eine sporadisch stattfindende Happy Hour ausnützen wollen und Leute, die um Punkt 23 Uhr schlafen gehen müssen, um das Konzept ihres bis auf drei Hundertstel genau berechneten 8.7 Stunden Schlafrhythmus nicht komplett verwerfen zu müssen, aber trotzdem mitreden wollen.

Um 23 Uhr versammelt sich nach und nach das Fußvolk der intoxikierten Bourgeois am Tresen. Einige, vor Spontanität triefende, total crazy Tausendsassa, die ihre Bettgehzeit zum ersten Mal im Semester blindlings ignorieren und voll einen draufmachen, sind auch noch da.
Die Chancen stehen gut, dass der musikalische Headliner des Abends schon an den Turntables werkt.
The Man. The Myth. The Legend. DJ MANDL. Ein Garant für ein gutes FKF. Er versteht es wie kein anderer, das circa halb so alte Publikum mit Lebensfreude und Leidenschaft in seinen Bann zu reißen. Hin und wieder spielt er auch passable Songs.

Um 01 Uhr erscheinen die Ewigvorglüher und anerkannte Alkoholikerverbände wie etwa die berüchtigte „Mega-Küche“, falls diese es überhaupt zur Veranstaltung schaffen. Ein kurzer Blick hinter die Bar verrät ihnen, ob die süße blonde Kellnerin Dienst hat, was die schwierige Entscheidung beeinflusst, wo man einen Gaumenbefeuchter erwerben will.

Um 3 Uhr wagen vereinzelt zuerst abgeblitzte Typen erneut einen Versuch bei den jeweiligen Objekten ihrer Begierde. Das FKF ist zu dieser Zeit immer schon relativ leer. Es heißt dann oft: „Licht an – Musik aus!“ Eventuell hat DJ Mandl die Nase gestrichen voll vom Drehen des Low-Pass-Filter Drehknopfes, vielleicht wird zu wenig Geld eingenommen, vermutlich ist es aber wirklich einfach der richtige Augenblick, um nach Hause zu gehen. Der veranstaltende Studiengang bleibt noch dort und beginnt mit den Aufräumarbeiten. Dass man dafür keine ECTS bekommt, erfahren die meisten erst im Nachhinein.

 

Der Weg zurück

Kurz vor dem Start der Heimreise holt man sich beim auch zu später Stunde noch vom freundlichen Loungerie-Personal einen „geschmacksknospenreinkarnierenden“ Toast. So mancher Charmebolzen bekommt vielleicht sogar noch einen Teller mit Spaghetti-Überbleibsel vom berühmten Spaghetti-Dienstag.

Der tatsächliche Marsch in die eigenen vier Wände ist mit Stolpersteinen übersät.
Wohnt man etwa im Studentenheim, muss man den tief versteckten Alibi-Sportler in sich selbst ignorieren, um beim Tischtennis- und Tischfußballraum unbescholten vorbeizugehen. Auch visuelle Anreize, wie etwa die Freiluft-Kultur-Ausstellung in den Zwischenhöfen (der Geröllhaufen „Hagenberg“ und die Skulptur „Stoners Henge“) muss man ausblenden. Da sich die Fakultät quasi am Gipfel von Hagenberg wiederfindet, wäre es auch einmal eine Überlegung wert, ein Gipfelkreuz zu errichten. Das Hagenkreuz.

An dieser Stelle möchte ich auch ein Shoutout an den auf mysteriöser Weise verschwundenen BMW anbringen, der unkeusche Witze auf Kosten anderer wie etwa „Da BMW wird nochn FKF öfta gschobn wie du“ rechtfertigte.

Diejenigen, die die Gegend um den Teich ihre Hood nennen, müssen beim Passieren des Kindergartenspielplatzes ganz, ganz stark sein. Am besten gar nicht erst hinsehen.
Und die Feuerprobe, ob denn bereits ein Eishockeyspiel am Teich stattfinden könnte, führt man besser nicht durch.

Für die Bewohner der familiären VLW-Häuser empfiehlt es sich im Umkreis von 20 Meter vor ihrer Wohnung geduckt schleichen zu beginnen, oder sich gekonnt mittels Ninja-Purzelbaumrollen fortbewegen. Ein falscher Schritt oder ein Schlüssel, der beim Versuch, die Tür aufzusperren, tragischerweise vom Schlüsselloch abprallt und am Boden landet, und es findet sich am nächsten Tag ein passiv-aggressiv verfasster Lärmbelästigungsbeschwerdebrief eines fürsorglichen Familienvaters in seinem Briefkasten wieder.

Man kann sich jedoch auf die allgemeine Fortgehregel „Nach Hause kommt man immer irgendwie“ verlassen, vor allem, weil wir eben in einem Kaff studieren. Dann begibt man sich gemütlich ins Waagrechte und malt sich gedanklich ein Gemälde: Um 8:50 Uhr Programmierübung. Tranquillität pur.

Und du hast vergessen, dafür die Übung abzugeben. Dummerchen.  

 

 

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