[ÖH Blog] (Teil 2) The Pursuit Of Happiness - Wie ich mich krampfhaft nach Glück sehne

April 5, 2018

 "Schau mal Mama, ohne Hände!" | Foto: rawpixel.com

 

Teil 1 des Ratgebers für emotional verkrüppelte Menschen findet ihr hier

 

Hinterfrage Materialismus und unsere Konsumgesellschaft

Es wurde bereits in einer Vielzahl von Untersuchungen festgestellt, dass Menschen mit sehr materialistischen Werten ein geringeres psychisches und physisches Wohlbefinden aufweisen, als Menschen, denen Materialismus weniger wichtig ist.

 

„Menschen, für die finanzieller Erfolg sehr wichtig ist, zeigen weniger Selbstverwirklichung und Lebensfreude und mehr depressive Symptome und Ängstlichkeit als Personen, für die gute Beziehungen oder ein gesellschaftlicher Beitrag wichtig sind.

In einer anderen Studie zeigte sich, dass Menschen, die nach Ruhm, Geld und Ansehen streben auch mehr physische Symptome aufwiesen, also häufiger unter Kopfschmerzen, Magenprobleme etc. litten als weniger materialistische Versuchspersonen.“

 

I be like...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ja gut, was heißt das nun für mich? Constant headaches while having explosive diarrhea?

Ich versuche hierbei gewiss nicht, den Moralapostel zu spielen und euch - die vom Weg Abgekommenen - über die richtige Lebensweise zu belehren. Erstens: Es gibt nicht DIE eine richtige Lebensweise, die jeden Menschen glücklich macht. Zweitens: In unserer

heutigen Konsumgesellschaft haben wir alle zu einem gewissen Ausmaß materialistische Werte verinnerlicht. Manche mehr, manche weniger.

 

Ich persönlich habe als Teenie viele Phasen durchlebt, unter anderem eine, die von einer stark materialistischen Lebensweise geprägt war. Zu jener Zeit habe ich mir durch mein als Samstagsaushilfe verdientes Geld teure Waren gekauft. Ja, ein gewisses Glücksgefühl wurde ehrlich gesagt schon ausgelöst, war aber auch schnell wieder verflogen, da ich mit der Zeit immer mehr wollte. Das gekaufte iPhone 4 war auch nicht mehr das neueste Gerät auf dem Markt und das T-Shirt einer gewissen Marke nach einer Weile eben auch nur ein gewöhnliches Kleidungsstück (für das ich halt fast das Fünffache gezahlt habe. Intelligent!).

Ich habe diesen materialistischen Werten so viel Wichtigkeit beigemessen, dass sie sogar mein Leben organisierten. Sie beeinflussten die Ziele, die ich verfolgte, die Einstellung, die ich gegenüber Marken hatte und veränderten mein Konsumverhalten. Was hat es mir gebracht? Ein tristes Bankkonto und obendrein war ich auch noch unzufrieden. Sehr bitter!

 

Moral der Geschichte? Konsum ist vermutlich nicht der Schlüssel zum Glück.

Man muss aber auch nicht in völliger Armut im Wald leben und sein Geschirr abschlecken, um der Gefahr der zu hohen materialistischen Lebensweise aus dem Weg zu gehen. Ich denke, dass eine gewisse Verfügbarkeit von Ressourcen uns Sicherheit und Geborgenheit gibt. Und Sicherheit ist wesentliches Grundbedürfnis, das erfüllt werden will.

 

Wie Heidi Klum es in ihrer Qualitätsshow „Germany’s Next Topmodel“ bei einer Challenge, bei der die Mädels über einen rutschigen Laufsteg im Pool laufen müssen, einst sagte: „Ja, die Schwierigkeit besteht darin, die Balance zu halten!“

 

Diese Steine stehen mehr in Einklang, als ich es jemals könnte  | Foto: Pixabay

 

Wieso nicht das Geld stattdessen in Erfahrungen und Erlebnisse investieren und somit mehr Zeit mit seinen Liebsten verbringen? Das bringt uns direkt zum nächsten Punkt:

 

 

Umgib dich mit Personen, die dir gut tun

Vor allem wenn es einem schlecht geht, tragen soziale Kontakte oftmals zum eigenen Wohlbefinden bei. Und ja, dieser Satz kommt von einer Person, die sich bei Trauerphasen gerne im Zimmer verbunkert und eine „I feel sad&lonely“-Playlist auf Dauerschleife laufen lässt. 

 

Tristesse in ihrer ausgeprägtesten Form.   | Foto: Kat Smith

 

Es ist einfach beruhigend, sich mit Menschen umgeben zu können, denen man seine Gedanken und Gefühle anvertrauen kann. Blöd nur, wenn man keine Freunde hat. Aber ist das überhaupt als StudentIn möglich? Ich kann natürlich nur aus eigener Erfahrung und für Hagenberg sprechen, aber man muss schon ein ziemlich unguter Mensch sein, um sich hier im Softwarepark (auch bekannt als das „Silicon-Valley-Für-Arme“) unbeliebt zu machen. Die meisten, denen ich begegnet bin, sind total gechillt, freundlich und hilfsbereit. Ist man mit lediglich einer Person befreundet, kommt der Stein schon ins Rollen, denn diese Person kennt vermutlich noch weitere Studierende, die potentielle Freunde werden können. Nach und nach baut man sich so sein soziales Netzwerk auf und ehe man sich versieht, hat man schon einen netten Menschenhaufen, mit denen man Zeit verbringen kann.

 

Trotzdem keine Freunde, obwohl man gerne welche hätte? Mir fallen hierzu spontan zwei mögliche Gründe ein...

 

Hypothese:

  1. Du bist ein Arschloch.

  2. Du bist sehr schüchtern.

 

Lösungsansätze:

  1. Sei kein Arschloch.

Wenn dir mehrere Leute subtil (oder auch direkt) mitteilen, dass du eher unsympathisch bist, dann würde ich mir durchaus Gedanken machen. Natürlich sollte man nicht jeder Meinung große Wichtigkeit beimessen. Aber wenn die eigenen Mitstudenten einen großen Bogen um einen machen und verächtlich die Augen verdrehen, als wäre man Harvey Weinstein, sollte man sich schon fragen warum. "Sei immer du selbst, denn alle anderen gibt es schon!" Ja, stimmt im Prinzip, außer du bist ein Arschloch. 

 

2. Sei weniger schüchtern und trau dich aus deiner Komfortzone. Dieser Ratschlag könnte 1:1 aus der Frauenzeitschrift Brigitte stammen, welche neben Kochtipps auch Hilfestellung zu einem selbstbewussteren Auftreten gibt. Ich muss der guten, alten Brigitte hierbei jedoch zustimmen, so kitschig dieser Ratschlag auch ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich persönlich bin auch eher schüchtern und vor allem nervös, wenn ich neue Leute kennenlerne. Ich kann mich noch gut an meinen Studienbeginn in Hagenberg erinnern. Ich würde mich selbst als teilweise sehr weird bezeichnen und wollte meine Mitstudenten nicht gleich abschrecken, also musste ich mir die Themen für Smalltalk immer im Vorhinein grob überlegen. Da ich, wie bereits erwähnt, bei sozialen Interaktionen auch recht nervös werde, fällt es mir in einer neuen, ungewohnten Umgebung eher schwer, meinen Mitmenschen beim Reden in die Augen zu sehen. Da saß ich nun also, eine komische, unlustige Asiatin, die wie eine Autistin bloß apathisch in die Luft blickte. Und selbst ich habe es geschafft, mir ein soziales Netzwerk aufzubauen! So, what is your excuse?
Natürlich ist der Ratschlag „Sei doch weniger schüchtern“ einfacher gesagt als getan. Es ist wie wenn man einer magersüchtigen Person rät, sie solle doch einfach mehr essen - gut gemeint, aber im Endeffekt leider nicht sehr hilfreich. Es ist ein langer Prozess und man muss kontinuierlich an sich arbeiten. Aber wenn man wirklich etwas an sich etwas ändern will und sich auch anstrengt, dann wird es meiner Meinung auch irgendwann funktionieren. Bis dahin lautet die allseits bekannte Devise: Fake it til you make it!

 

Am Ende des Tages ist wohl jeder seines eigenen Glückes Schmied. Ich persönlich werde daran arbeiten, mich nicht mit anderen zu vergleichen und mich aktiver mit meinem persönlichen Glück zu arrangieren. Dankbar für mein (im Groben und Ganzen) unproblematisches Leben, unabhängig von unbestimmbaren Faktoren, zu sein. Was wäre, wenn meine Eltern damals nicht ausgewandert wären und ich jetzt somit meinen Lebensmittelpunkt in Vietnam hätte? Würde ich bei erdrückender Hitze auf einem Reisfeld arbeiten oder doch in einer Fabrik fleißig Schuhe für Converse und Nike nähen? Wer weiß. Und tatsächlich sitze ich hier, wohlbehütet in der Bibliothek in Hagenberg und schreibe diese Zeilen. Ich habe mehr als genug, um ein bequemliches Leben zu führen, darf etwas studieren, das mir Freude bereitet und habe Familie und Freunde, auf die ich mich stützen kann. Egal wie kitschig dieses Ende auch zu sein vermag - dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

 

- Jas

Share on Facebook
Please reload

Empfohlene Einträge

[Ausschreibung] Campusreferat Hagenberg

November 18, 2019

1/10
Please reload

Aktuelle Einträge
Please reload

Archiv