[ÖH Blog] (Teil 1) The Pursuit Of Happiness - Wie ich mich krampfhaft nach Glück sehne

March 22, 2018

 

Das muss Glück sein: Sich fröhlich in die Luft springend seine Gliedmaßen auszurenken

#healthy | Foto: Sebastian Voortman

 

Es ist ein typisches Erste-Welt-Problem: Man hat alles, ist jedoch nicht glücklich. Hier ein bisschen ein „Ich fühle mich von den anderen nicht verstanden!“ und da ein „Meine innere Leere frisst mich langsam auf!“. Bei diesen Aussagen steht selbst mir - der vermeintlich größten Suderantin Österreichs - der Brechreiz unmittelbar bevor. Das Schlimme daran: Ich gehöre genau zu dieser Sorte Menschen. Jene, die sich so sehr nach Glück sehnen, dass sie ihr Ziel haushoch verfehlen. Tretet nun ein in das bürgerliche Trauerspiel namens MEIN LEBEN. Vorhang auf, Akt I. beginnt.

 

 

Glücklich sein ist erlernbar!

Ich will glücklich sein, wirklich. Ich will aus meinem Leben das Bestmögliche herausholen. Mich bei Schlechtwetter nicht ärgern, sondern im Regen tanzen, wie eine ambitionierte Cherokee-Indianerin bei einem zeremoniellem Ritual. Pures, wahres Glück empfinden. Und das am besten JETZT sofort. Aber wie bloß?

Es heißt ja recht gerne, Positivität sei erlernbar. Es heißt aber auch, dass man sich durch regelmäßiges Training irgendwann rhythmisch und grazil zur Musik bewegen kann. Ich jedoch, trotz Abschluss eines Tanzkurses in meiner Jugendzeit und etlichen privaten Übungsstunden, sehe vor dem Spiegel nur eine „tanzende“ Kartoffel, die sich unbeholfen zur Musik bewegt. Aber da ich nicht pessimistisch sein will und mich der Annahme „Glücklich sein ist erlernbar!“ nicht verschließen möchte, habe ich einige vermeintliche Gute-Laune-Mechanismen ausprobiert. 

 

 

Tu, was dir Spaß macht

Es hilft generell, wenn man sich mit etwas beschäftigt, das einem Freude bereitet. Für die einen mag dies das Musizieren, für die anderen der Sport sein. Da ich aber ziemlich talentfrei und unsportlich bin, fallen diese beiden Optionen für mich schon mal weg. Warum?
 

Punkt 1: Ich habe mich schon damit abgefunden, dass ich bis heute nicht im Takt klatschen kann. Während meiner Zeit im Gymnasium war das Fach Musik (zu meinem Leidwesen) ein fester Bestandteil unseres Stundenplans. Meine Professorin hatte gerne willkürlich Schülerinnen Instrumente in die Hand gedrückt, damit wir zusammen harmonisch musizieren konnten. Wohlwissend, dass ich das Rhythmusgefühl einer 90-jährigen, tauben Oma mit Tourette-Syndrom habe, hatte sie mir ein vermeintlich einfaches Instrument anvertraut: dem Waschbrett. Mit einem Stick wird über das ganze Brett gerieben und dadurch ein Ton erzeugt. Eigentlich ziemlich simpel. Und am Anfang lief auch alles relativ gut, ich hockte stolz auf meinem Stuhl und rieb glücklich vor mich hin (that’s what he said...). Allerdings wurde ich nach der Zeit von den Melodien anderer Instrumente so sehr abgelenkt, dass ich meinen eigenen Rhythmus vergaß und in meiner Hektik dann IRGENDWIE über das Instrument strich. Meine Professorin betitelte unser Musizieren als „Sehr interessant!“ und ich bekam von meinen Mitschülerinnen nur verwirrte Blicke zugeworfen. Seit diesem Vorfall wurde ich nie wieder zum Musizieren auserkoren. Nett!

 

Punkt 2: In der Unterstufe nahmen wir als Klasse oftmals an Sportwettbewerben teil und gewannen hier und da auch mal Medaillen und Trophäen. Eines Tages fragte uns unsere Sportprofessorin, wer sich denn gerne am bevorstehenden Sprintwettlauf beteiligen möchte. Da ich Zeit hatte und mich ehrlich gesagt auch etwas einschleimen wollte, meldete ich mich mit einigen anderen Schülerinnen freiwillig für diese sportliche Aktivität. (Ich wurde unter anderem auch mit der Tatsache, dass es nach dem Sprint gratis Wurstsemmel und Kuchen gab, geködert... Ich liebe Wurstsemmel!).

 

Meine Schnelligkeit und Ausdauer stelle ich unter anderem beim Gang zum All-You- Can-Eat-

Buffet unter Beweis  |  Foto: Digital Buggu

 

Long story short: Wer mich kennt, weiß, dass ich eine SEHR schreckhafte Person bin. Als der laute Startschuss fiel, war ich zunächst total perplex und erschrocken, sodass ich erst viel später als alle anderen loslief. Letztendlich kam ich als Vorletzte ins Ziel, wo mich auch meine leicht beschämte Professorin in Empfang nahm. Obwohl ich eine wirklich schlechte Leistung an den Tag legte und beim Laufen einen leichten Krampf im Oberschenkel bekam, ging ich dennoch als Siegerin hervor: Denn ich bekam meine wohlverdiente Wurstsemmel und mein krümeliges Kuchenstück. Totally worth it! Ich war definitiv die Siegerin der (verfetteten) Herzen!

 

Was bleibt also übrig, nachdem ich weder Musik noch Sport machen kann? Man mag es kaum glauben, aber: Tiervideos ansehen!
Gut, dieser Ratschlag ist vermutlich nur für Tierliebhaber relevant. Es erstaunt mich immer wieder, wie sehr Hundevideos meine Stimmung in die Höhe schießen lassen. Hungrig, doch im Kühlschrank nur gähnende Leere? Streit mit den Mitmenschen? Das schlechte Gewissen, welches durch exzessives Prokrastinieren hervorgerufen wird, ist immer unerträglicher? Kein Problem! Seht euch ein nettes Tiervideo an und euch wird es sogleich besser gehen, denn wie kann man beim Anblick eines glücklichen Hundes nicht lächeln? 

 

Oh you beautiful creature, take my heart and take my soul, too! | Foto: Shane Kell

 

Dass ich solch großes Glück beim Ansehen von Tiervideos empfinde, liegt vermutlich auch daran, dass ich Hunde vergöttere und sie als wahrlich unantastbar ansehe. Falls ihr gute Videos braucht - gebt mir Bescheid, ich habe da eine Playlist ;)

 

Akzeptiere Niederlagen

Als Kind asiatischer Eltern, für die schulische Leistungen immer oberste Priorität hatten, fiel es mir jahrelang sehr schwer, Niederlagen zu akzeptieren. Ich hatte stets hohe Erwartungen an mich selbst und war dementsprechend enttäuscht, wenn ich meinen eigenen Anforderungen nicht gerecht wurde.
Mittlerweile habe ich es auch mehr oder weniger verstanden, dass ich einfach meine Erwartungshaltung in jeglichen Lebensbereichen einfach reduzieren muss, um insgesamt glücklicher zu sein. Denn positive Emotionen hängen oftmals stark damit zusammen, dass etwas eintritt, das besser ist als erwartet.

 

Meine Erwartungen an meine Mitmenschen und an mich selbst verhalten sich demnach wie meine Hemmschwelle nach einem Glas Spritzer: Sehr niedrig!
Das soll allerdings nicht heißen, dass man sich keine Ziele setzen soll. Vielmehr geht es darum, im Hier und Jetzt glücklich zu sein und auch die kleinen Dinge im Leben wertzuschätzen. Vor sechs Jahren flog ich mit meiner Familie nach Vietnam, um meine Verwandten zu besuchen. Dass mich dieser Urlaub so derart langfristig prägen wird, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Denn das Wasser aus dem Hahn ist in Vietnam, einem Entwicklungs- bzw. mittlerweile Schwellenland, nicht genießbar. Trinkwasser ist also lediglich in Plastikflaschen erhältlich und schmeckt auch dementsprechend ekelhaft. Wie glücklich wir uns schätzen können, dass wir in Österreich bloß den Wasserhahn aufdrehen müssen, um frisches, köstliches Wasser genießen zu dürfen. Dafür bin ich wirklich dankbar.

 

Wahrlich ein Privileg. | Foto: Kaboompics

 

To be continued. Teil 2 des Ratgebers für emotional verkrüppelte Menschen folgt in zwei Wochen. Was, ein Cliffhänger bei einem Blogeintrag? Das ist ja schlimmer als bei Netflix-Serien! Sorry, but deal with it ;)
 

Bis dahin: Immer schön positiv bleiben, man hört sich demnächst!
- Jas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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