• Philipp Burgstaller

[ÖH Blog] FRAUEN IN DER WIRTSCHAFT: Interview mit Fr. Mag. Dr. Christine Ebner


Vollzeit-Mutter und berufstätig? | Bildquelle: Pixabay

Frau Mag. Dr. Christine Ebner ist als Professorin an der FH Oberösterreich und am Campus Steyr tätig. Sie ist Mutter zweier Kinder, Ehefrau und Unternehmerin. Die Familie und den Beruf unter einen Hut zu bringen ist nicht immer einfach und bedarf bestimmter Rahmenbedingungen. In unserem Interview sprechen wir über die Herausforderungen als Frau und Mutter, Quoten in der Wirtschaft und dem Wertewandel in unserer Gesellschaft. Abschließend gibt es noch nützliche Tipps, wie einer Karriere trotz Familie nichts im Weg steht.

Wie vereinbaren Sie Beruf und Familie?

Nach meinem Studium habe ich angefangen zu arbeiten. Drei Jahre danach kam das erste Kind zur Welt. Mir war klar, dass ich trotzdem beruflich aktiv bleiben wollte. Mein Glück war, dass ich – aufgrund meiner damaligen Tätigkeit in der Personalberatung – meine Arbeitszeiten sehr flexibel einteilen konnte. Das funktioniert natürlich nur, wenn nicht nur der Arbeitgeber, sondern auch das private Umfeld dies unterstützt. Ein gut organisiertes und vor allem flexibles Netzwerk war für meine Lebensgestaltung eine absolute Grundvoraussetzung.

Gab es auch kritische Stimmen in Ihrem Umfeld?

Die Meinungen waren sehr ausgewogen. Es gab natürlich Mütter, die gesagt haben: „Mir ist die Karriere nicht so wichtig!“ Wobei es mir in erster Linie nicht um eine Karriere ging, sondern darum, die Dinge, die ich im Leben sehr gerne mache, auch beruflich umsetzen zu können. Außerdem war es mir wichtig, mein erworbenes Wissen zu behalten bzw. auszubauen. Im Endeffekt muss jeder selbst seinen Weg gehen und für sich entscheiden, ob die Rahmenbedingungen stimmen.

Wie wichtig war ihr Ehepartner bei der Berufsausübung mit Kind?

Mein Mann war sehr unterstützend. Wir haben ein fixes Regelwerk aufgestellt: Montags war immer mein langer Arbeitstag. Mein Mann wusste, dass ich an diesem Tag nicht zur Verfügung stehe und er sich um die Kinderbetreuung kümmern muss. Durch diese fixen Arbeitstage konnten wir beide unsere Termine besser planen und hatten somit weniger Stress, alles unter einen Hut zu bekommen.

Denken Sie, dass manche Branchen familienfreundlicher sind als andere?

Ja, ganz klar. Die Möglichkeiten hängen stark von der Dynamik und der Flexibilität eines Bereiches / einer Branche ab. Die Beratungsbranche ist in puncto zeitlicher Flexibilität ein idealer Arbeitsbereich, da zum Beispiel Reports auch am Wochenende geschrieben werden können. Es gibt Branchen, in welchen schon nach sehr kurzer Abwesenheit ein enormer Wissensverlust entsteht. Hier ist es natürlich sehr schwer, am gleichen Level wiedereinzusteigen und bedarf daher bereits im Vorfeld einer guten Planung und Gestaltung von Abwesenheiten.

Das WKO-Netzwerk „Frau in der Wirtschaft“ hat veröffentlicht, dass 37% der österreichischen EinzelunternehmerInnen Frauen sind. Viele davon im Dienstleistungsbereich. Warum?

Ich glaube, es liegt tatsächlich an der Flexibilität des Einzelunternehmertums. Eine Arbeit, die ich mir flexibel einteilen kann, ist natürlich familientechnisch wesentlich leichter zu vereinbaren. Außerdem ist es schwierig, nach der Familiengründung wieder eine Arbeitsstelle mit flexibler Zeiteinteilung zu finden. Viele Frauen denken sich vielleicht: „Dann probiere ich es eben selbst!“. Man ist sein eigener Chef und in der Lage, sein eigenes Wissen bestmöglich zu verwerten.

Frau Mag. Dr. Christine Ebner

Irmtraud Morgner (1933‐1990), eine deutsche Autorin hat einmal gesagt: „Der schlimmste Fehler von Frauen ist ihr Mangel an Größenwahn“. Stimmt das?

Viele Unternehmen sagen, dass sie zu wenig Frauen in den Führungspositionen haben. In Oberösterreich sind wir hier im österreichweiten Vergleich sogar an letzter Stelle. Dies liegt nicht an mangelndem Selbstvertrauen, sondern vielmehr an den Rahmenbedingungen. Wir müssen uns nur Job-Inserate ansehen: Führungspositionen als Teilzeitstellen gibt es extrem wenig bis gar nicht. Ein Blick auf die skandinavischen Länder zeigt, dass bei Teilzeitmodellen nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer massiv profitieren und annehmen. Ich denke, dass viele Frauen gerne leitende Positionen einnehmen würden, wären passende Modelle gegeben.

Stichwort Frauenquote. Fänden Sie eine solche für Führungspositionen sinnvoll bzw. notwendig?

Ja! Ich bin davon überzeugt, dass eine Quote sinnvoll ist, weil es die Unternehmen dazu zwingt, darüber nachzudenken, wie sie mehr Frauen in diese Positionen reinholen können. Man wäre gefordert, neue Rahmenbedingungen zu schaffen. Ohne eine Quote gibt es immer genug Gründe, warum keine passende Frau gefunden worden ist. Der Ausdruck „Quotenfrau“ ist für mich nichts Negatives. Viele von Männern besetzte Stellen werden nicht nur aufgrund vorhandener Qualifikationen, sondern oftmals aufgrund guter Netzwerke vergeben.

Haben Sie Tipps für junge Frauen, die in der Berufsfindungsphase sind?

Zum einen ist es wichtig, schon während des Studiums ein gutes fachliches und persönliches Netzwerk aufzubauen. Zum anderen muss man sich über seine Stärken im Klaren sein und diese ausbauen. Wenn Personen sich auf die Dinge konzentrieren, die sie nicht so gut können, wird es schwierig, sich im beruflichen Umfeld wohlzufühlen. Daher: Nicht nur auf Inserate bewerben, deren Anforderungen zu 90% der eigenen Person entsprechen, sondern auch bewerben, sobald eine Übereinstimmung von 70% gegeben ist.

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